Jüdische Pflege- geschichte

Jewish Nursing History

Biographien und Institutionen in Frankfurt am Main

Recherche

Hospital der Israelitischen Gemeinde, Institution

Chronik

1859

Engagement für ein neues jüdisches Spital in FrankfurtGeh. Sanitätsrat Dr. med. Heinrich Schwarzschild

Bereits 1859 setzte sich Heinrich Schwarzschild für die Errichtung eines modernen jüdischen Spitals in Frankfurt am Main ein; es sollte das veraltete medizinische und Pflegewesen des Judenghettos ergänzen, wenn nicht gar ablösen. Im Folgenden beteiligte er sich als Mitglied einer Planungskommission für den Bau des späteren Königswarter Hospitals.

1871

Mitglied der Planungskommission für ein Krankenhaus der Frankfurter jüdischen GemeindeProf. Dr. med. et chirurg. Theodor (Nathan) Neubürger

1871

Mitglied der Planungskommission für ein Krankenhaus der Frankfurter jüdischen GemeindeGeh. Sanitätsrat Dr. med. Heinrich Schwarzschild

1871

Mitglied der Planungskommission für ein Krankenhaus der Frankfurter jüdischen GemeindeDr. med. Maximilian Mayer (Max) Gundersheim

Mit dem Ziel der Gründung eines modernen jüdischen Krankenhauses in Frankfurt am Main stiftete der Bankier Isaac Königwarter 200.000 Gulden für die Israelitische Gemeinde

1872

StifterinElisabeth Königswarter

Elisabeth Königswarter unterstützte die Stiftungsaktivitäten ihres Ehemannes Isaac Königswarter, vielleicht war sie sogar die treibende Kraft.

1873

Baubeginn des Königswarter HospitalsKönigswarterstraße 26, Frankfurt am Main

Um 1874 - 1877

Arzt am Königswarter HospitalDr. med. Maximilian Mayer (Max) Gundersheim

Maximilian Gundersheim gehörte zu den ersten Ärzten des Königswarter Hospitals.

Um 1874 - 1878

Spitalarzt am "Königswarter Hospital"Geh. Sanitätsrat Dr. med. Heinrich Schwarzschild

Mit der Errichtung und Inbetriebnahme des Hospitals der Frankfurter Israelitischen Gemeinde um 1874 in der Königswarterstraße war Heinrich Schwarzschild endlich am Ziel. Obwohl inzwischen über 70 Jahre alt, war er auch am "Königswarter Hospital" als Arzt tätig.

Um 1874 - 1914

InstitutionengeschichteKrankenhaus der Israelitischen Gemeinde

Um 1874 wurde das Krankenhaus der Frankfurter jüdischen Gemeinde als "Königswarter Hospital" gegründet. Erster Standort war Grüner Weg 26, 1879 umbenannt in Königswarterstraße 26.

1874

Hospital der Israelitischen GemeindeHospital der Israelitischen Gemeinde

Abbildung: Hospital der Israelitischen Gemeinde

Frontansicht des Hospitals der Israelitischen Gemeinde in Frankfurt am Main, Grüner Weg 26

27.06.1875

Offizielle EröffnungKönigswarterstraße 26, Frankfurt am Main

Das bereits in Betrieb genommene Hospital der Israelitischen Gemeinde ("Köngswarter Hospital") in der Straße Grüner Weg (Frankfurter Ostend) wurde am 27. Juni 1875 offiziell eröffnet (vgl. Schiebler 1994). Es verfügte über mindestens 80 Plätze.

1877 - 1908

Leitender Arzt (Chefarzt) der Inneren StationDr. med. Simon Kirchheim

Seit 1877 leitete Simon Kirchheim erfolgreich die Innere Station des Hospitals der Israelitischen Gemeinde in Frankfurt am Main. 1908 musste er diese Stellung aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Den Titel eines Sanitätsrats hatte er abgelehnt.

1879 - 1914

Standort nach StraßenumbenennungKönigswarterstraße 26, Frankfurt am Main

1879 wurde die Straße Grüner Weg zu Ehren des Hospitalstifters Isaak Königswarter in Königswarterstraße umbenannt. Unter den Nationalsozialisten hieß sie von 1936 bis 1945 Quinckestraße (nach dem 1922 verstorbenen "arischen" Mediziner Prof. Dr. Heinrich Irenäus Quincke). Nach Kriegsende erfolgte die Rückbenennung in Königswarter Straße.

01.07.1881

Erste Lehrschwester am "Königswarter Hospital"Rosalie Jüttner

Paul Jolowicz aus Posen hatte erstmals die Ausbildung einer Krankenpflegerin angeregt. Aus Posen stammte auch Rosalie Jüttner, die daraufhin am 1. Juli 1881 als Lehrschwester Aufnahme im Frankfurter "Königswarter Hospital" fand. "Theoretisch und praktisch geschult" wurde sie von dem leitenden Arzt Dr. Simon Kirchheim und seinem Assistenten Dr. Theophil Jaffé. Eine organisierte Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen entwickelte sich Frankfurt erst um 1890. - Rosalie Jüttner gilt als die erste in einem jüdischen Krankenhaus in Deutschland ausgebildete Krankenschwester. Sie wurde vermutlich in Posen (Poznan, Polen) an der Warthe geboren. Ihre Biographie bleibt noch zu erforschen.

1886 - 1935

Arzt am Hospital (später Krankenhaus) der Israelitischen GemeindeSanitätsrat Dr. med. Alfred Günzburg

01.04.1889

Beginn der AusbildungMinna Hirsch

Am 1. April 1889 begann Minna Hirsch als eine der ersten in Frankfurt am Main ausgebildeten jüdischen Krankenschwestern ihre Pflegeausbildung.

1890 - 1913

Armenschwester, Hausschwester, stellvertretende Oberin des Königswarter HospitalsLisette Hess

Um 1890

Ausbildung zur Krankenschwester am Israelitischen Gemeindehospital Frankfurt am MainThekla Isaacsohn

1891 - 1895

AssistenzarztSanitätsrat Dr. med. Adolf Deutsch

Um 1892

Ausbildung zur Krankenschwester in Frankfurt am MainFrieda Wollmann

Vermutlich um 1892 lernte Frieda Brüll (später verheiratete Wollmann) im Hospital der Frankfurter Israelitischen Gemeinde ("Königswarter Hospital"). Damit gehörte sie nicht nur zu den ersten ausgebildeten jüdischen Krankenschwestern in Frankfurt am Main, sondern im gesamten Kaiserreich.

1893 - Um 1914

OberinMinna Hirsch

Von 1893 bis zu dessen Schließung leitete Minna Hirsch als Oberin die Pflege am "Königswarter Hospital".

1895 - 1914

Leitender Arzt der PoliklinikSanitätsrat Dr. med. Adolf Deutsch

1899

Neues Grundstück für das SchwesternhausVerein für jüdische Krankenpflegerinnen zu Frankfurt am Main

1899 wurde für den Bau eines neuen Schwesternhauses am Hospital der Israelitischen Gemeinde ein großes Grundstück (Königswarterstraße 20) erworben.

Um 1900

Assistenzarzt am Königswarter HospitalDr. med. Michael Sachs

Um 1902 - 1914

Krankenschwester am Königswarter HospitalSara (Sarah) Adelsheimer

Nach ihrer Ausbildung war Sara Adelsheimer in der Privat- und Armenpflege sowie im Hospital der Israelitischen Gemeinde in Frankfurt am Main tätig.

09.1902

Wiedereröffnung des SchwesternhausesVerein für jüdische Krankenpflegerinnen zu Frankfurt am Main

Das Schwesternhaus wurde im September 1902 wieder eröffnet. Fortan verfügte es über einen getrenntem Trakt für Schwestern, die Patienten mit Infektionskrankheiten pflegten.

Seit 1903

Niederlassung in Frankfurt am Main, praktischer Arzt am "Königswarter Hospital"Dr. med. Gustav Löffler

01.01.1909 - 1914

Chefarzt am 'Königswarter Hospital'Sanitätsrat Dr. med. Alfred Günzburg

Am 1. Januar 1909 wurde der seit 1886 am Hospital tätige Internist Dr. Alfred Günzburg Nachfolger des erkrankten Chefarztes Dr. Simon Kirchheim am Hospital der Israelitischen Gemeinde in der Königswarterstraße.

1910 - 1914

Ausbildung und Tätigkeit als Krankenschwester in Frankfurt am MainBeate (Erna) Berger

Anfangs verdiente Beate Berger ihren Lebensunterhalt mit ungeliebten Lohntätigkeiten als Verkäuferin und danach als Lehrling in einem Manufakturenwarengeschäft in Gerresheim (heute Stadtteil von Düsseldorf). Mit 24 Jahren schlug sie einen ganz anderen Weg ein und arbeitete von 1910 bis zum Ersten Weltkrieg als Lern- und Krankenschwester am Frankfurter jüdischen Königswarter Hospital. "Diesen Berufswechsel empfand Beate Berger als sozialen Aufstieg" (Karin Wittneben).

1910 - 1914

Krankenschwester am "Königswarter Hospital"Margarete (Grete, Gretchen) Adelsheimer

Von 1910 bis 1914 pflegte Margarete Adelsheimer (Grete Seligmann) am "Königswarter Hospital".

Um 1910

Pflege im Hospital der Israelitischen Gemeinde sowie PrivatpflegeBlondine (Blandina) Brück

Um 1910

Stationäre Pflege im Hospital der Israelitischen Gemeinde und tätig in der PrivatpflegeRahel (Recha) Wieseneck

1912

Zitat zu einem Konflikt im jüdischen Krankenhaus FrankfurtBertha Pappenheim

Ein (zu dieser Zeit nicht zur Veröffentlichung bestimmter) Brief Bertha Pappenheims vom 1. Mai 1912 belegt ihre kämpferische Solidarität mit Frauen im Krankenpflegeberuf. Sie fordert sogar zum Streik auf. In der Korrespondenz thematisiert sie einen Konflikt um 1912 im Frankfurter jüdischen Krankenhaus, der offenbar so hohe Wellen schlug, dass Bertha Pappenheim sogar an ihrem damaligem Aufenthaltsort Breslau davon erfuhr: "Es ist interessant, dass ich hier hörte, der neue Hospitalverwalter für das Frankfurter Krankenhaus sei sehr "schneidig". In gewissem Sinne und zur Abwechslung ist das ja ganz gut. - Aber er soll es auch zur Bedingung gemacht haben, mit keiner Oberin zu arbeiten. Wenn das wahr ist, dann bedeutet das einen bedauerlichen Rückschlag für die jüdische Gemeinde Frankfurts. Die nächste Folge wird ein qualitativer Rückgang des Schwesternmaterials sein. Die besten Schulen für Krankenpflege waren bisher Hamburg und Frankfurt, wo die Ausbildung bisher unter Mitwirkung einer Frau geschah. Wenn die Oberin nur Haushälterin im Schwesternhaus wird, dann muss das Niveau der Schwestern sinken. Wenn die Schwestern gescheit sind, streiken sie. - Ich begreife die Leitung des Frankfurter [Schwestern-]Vereins nicht, der so stolz auf seine qualitativen Unterschiede gegen andere Vereine ist, - nämlich die, in denen Schule und Schwesternhaus-Ausbildung und Leben getrennt sind."

1914

Wechsel des Standorts / Neue EinrichtungKönigswarterstraße 26, Frankfurt am Main

Wegen der Errichtung des neuen Krankenhauses der Israelitischen Gemeinde in der Gagernstraße 36 wurde der alte Standort aufgegeben.

1994

Informationen zum Königswarter HospitalJüdische Stiftungen in Frankfurt am Main

Weitere Nutzung des StandortsKönigswarterstraße 26, Frankfurt am Main

Auf dem Gelände des ehemaligen Hospitals der Israelitischen Gemeinde befindet sich heute (Stand April 2010) die Klinik Rotes Kreuz (Frankfurter Rotkreuz-Krankenhäuser e.V.), Königswarterstraße 16 (statt 26).

Notizen

Vorläufer des "Königswarter Hospitals"Altes israelitisches Hospital für Fremde