Jüdische Pflege- geschichte

Jewish Nursing History

Biographien und Institutionen in Frankfurt am Main

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Gertrud Tichauer

  • Nationalität

    deutsch
  • Konfession

    jüdisch?

Chronik

Um 05.1939

Trennung vom nichtjüdischen Ehemann

Gertrud Tichauer (geschiedene Hengstenberg) gehörte zeitweise zum Personal des Krankenhauses der Israelitischen Gemeinde in Frankfurt am Main. Sie war mit einem nichtjüdischen Arzt verheiratet (ob sie den christlichen Glauben annahm, ist unbekannt). Das Paar hatte zwei Söhne. Das NS-Regime drängte "arische" Partner/innen aus "privilegierten Mischehen" zur Scheidung, anderenfalls drohten Repressalien. Auch Gertrud Tichauers Mann sah sich ins berufliche und gesellschaftliche Abseits gedrängt, die Ehe wurde zunehmend zerrüttet. Im Mai 1939 trug Gertrud Tichauer ihrem Mann die Scheidung an, er willigte ein.

Mitte 1939

Gertrud Tichauer rettet ihre beiden Söhne

Nach der Trennung von ihrem Mann lebte Gertrud Tichauer bei Verwandten in Würzburg. Die Auflösung der "privilegierten Mischehe" bedeutete, dass sie zusammen mit ihren Kindern dem NS-Regime schutzlos ausgeliefert war. Die geplante Emigration nach Irland zu ihrem Bruder verzögerte sich wegen fehlender Papiere. So schickte Gertrud Tichauer ihre beiden Söhne mit einem der 1938/39 organisierten rettenden "Kindertransporte" nach England. Sie selbst blieb in Nazi-Deutschland zurück.

01.1940 - 09.1942

Kollegin und Kollege am Frankfurter Jüdischen KrankenhausDr. med. Günther Ernst Wolfgang Schneider

Von Januar 1940 bis September 1942 arbeiteten Gertrud Tichauer und Günther Schneider in der Röntgenabteilung des Krankenhauses der Israelitischen Gemeinde in Frankfurt am Main.

01.1940 - 09.1942

Röntgenassistenin am Frankfurter Jüdischen KrankenhausKrankenhaus der Israelitischen Gemeinde

Nach der Scheidung von ihrem "arischen" Ehemann verdiente Gertrud Tichauer ihren Lebensunterhalt als Röntgenassistentin im Frankfurter Jüdischen Krankenhaus. Dort war sie von Januar 1940 bis zur Auflösung des Krankenhauses im September 1942 tätig.

23.11.1942

Flucht in die Schweiz

Angesichts der drohenden Deportation des Frankfurter jüdischen Krankenhauspersonals tauchte Gertrud Tichauer in Würzburg unter. Mit Hilfe der "Judenretterin" Ilse Totzke konnte sie am 23. November 1942 in die Schweiz fliehen. Bei Ilse Sonja Totzke (geb. 04.08.1913 in Strassburg) handelte es sich um eine NS-oppositionelle Würzburger Musikstudentin, die später in das KZ Ravensbrück deportiert wurde und dort starb.

Ende 1942 - 1946

Im Schweizer Exil

Wie andere NS-Flüchtlinge in der Schweiz war Gertrud Tichauer von Ende 1942 bis 1946 in verschiedenen Internierungslagern untergebracht, wurde aber nicht ausgeliefert.

1946

Emigration nach Irland

1946 konnte Gertrud Tichauer endlich zu ihren Söhnen nach Irland ausreisen. Nach fast 7 Jahren erzwungener Trennung mussten Mutter und Kinder gewiss erst wieder zueinander finden.

29.03.2018

Literatur zu Gertrud Tichauer (zuletzt aufgerufen am 29.03.2018)RettungsWiderstand in Frankfurt am Main während der Herrschaft der Nationalsozialisten

Notizen

Informationen zu Gertrud TichauerHessisches Hauptstaatsarchiv (Homepage)

Literatur zur Rettung NS-verfolgter Kinder nach EnglandDie Kindertransporte 1938/39