Jüdische Pflege- geschichte

Jewish Nursing History

Biographien und Institutionen in Frankfurt am Main

Recherche

Sanatorium Dr. Kohnstamm, Königstein/Ts., Institution

  • Das international bekannte Sanatorium und Kurhotel Dr. Kohnstamm begründete um 1903 der Neurologe und Psychotherapeut Dr. Oskar Kohlstamm (1871-1917) in Königstein/Taunus (Hessen). Das 1911 erweiterte Kurheim befand sich im Ölmühlweg und war auf innere und psychosomatische Erkrankungen spezialisiert. 1939 fiel es der nationalsozialistischen Enteignung ("Arisierung") anheim. Königstein/Taunus galt im NS-Jargon wegen seiner vielen prominenten jüdischen Kurgäste als "Judenkurort".
  • Standort

    Ölmühlweg 12, Königstein/Ts.

    Auf Karte zeigen

Chronik

1894

Kohnstamm kam nach KönigsteinDr. Oscar Felix Kohnstamm

Nach Studien in Gießen, Straßburg und Berlin (bei Virchow) kam Oskar Kohnstamm nach Königstein.

Um 1900

Anfänge des PensionsbetriebsDr. med. Eva Kohnstamm

Gemeinsam begann das Ehepaar Kohnstamm den Pensionsbetrieb in Königstein.

1903

Anmeldung als Pensionsbetrieb

1903 wurde der Kohnstammsche Haushalt als Pensionsbetrieb angemeldet, das Haus befand sich zu diesem Zeitpunkt in der "Villa Marino" an der Limburgerstraße.

Um 1903

Wohn- und Geschäftsadresse der Familie Dr. KohnstammLimburgerstraße 28, Königstein/Ts.

"Villa Marino"

1904 - 1905

Standort ÖlmühlwegÖlmühlweg 12, Königstein/Ts.

1904/1905 wurde am Ölmühlweg ein Sanatorium errichtet. Architekt war Rindsfüßer & Kühn.

1904 - 1945

Viele berühmte Kurgäste aus Kunst und Wissenschaft und Freunde des Hauses.

Einige der berühmten Kurgäste im Sanatorium Dr. Kohnstamm waren: Henry van de Velde (Initiator der "Bauhaus-Bewegung", Alexander Moissi (Schauspieler), Karl Woflskehl (Schriftsteller), Botho Graef (Archäologe), Kurt Hahn (Pädagoge, Erzieher von Prinz Philipp, dem Gatten der englischen Königin). Als Freunde des Hauses waren immer wieder zu Gast: der Dichter Stefan George und der Dirigent und Komponist Otto Klemperer. In der Turnhalle des Sanatoriums fanden oft Konzerte und Theateraufführungen statt.

Um 1906

Dr. Oskar KohnstammDr. Oskar Kohnstamm

Abbildung: Dr. Oskar Kohnstamm

1911

Ferstigstellung der gesamten Anlage des Sanatoriums.

Nach Plänen des Architekts Prof. Hugo Eberhard aus Offenbach wurde das Sanatorium Dr. Kohnstamm zu seiner ganzen Größe ausgebaut.

1914

Deklarierung als Lazarett für Kriegsverwundete

1916

Ernst Ludwig Kirchner im Sanatorium KohnstammKirchnerBilder

Abbildung: KirchnerBilder

Im Juni/Juli 1916 bemalte der Patient und Maler Ernst Ludwig Kirchner das Treppenhaus des Brunnenturms im Sanatorium. Die Bilder wurden "Badende auf Fehmarn" genannt. Sie wurden als "entartete" Kunst beseitigt und lassen sich heute nicht mehr restaurieren.

16.11.1917

Tod von Dr. Oskar KohnstammDr. Oscar Felix Kohnstamm

Mit nur 46 Jahren stirbt Dr. Oskar Kohnstamm an einer verschleppten Blindarmentzündung in einem Frankfurter Krankenhaus.

1920

Verkauf des Sanatoriums

Drei Jahre nach dem Tod des Gründers verkaufen die Verwandten von Dr. Kohnstamm das Sanatorium an die Firma C. & F. Frankl (Berlin) und an Dr. Bernhard Spinak. Es wird von Dr. Spinak und Dr. Max Friedemann (beide Mitarbeiter von Dr. Kohnstamm) weiter geführt.

1938

"Arisierung" des Sanatoriums

Im Jahr 1938 tat die Stadt Königstein alles, um das Sanatorium zu "arisieren". Das Argument dafür war, dass "die behandelnden Ärzte sind Juden, ebenso die Patienten. Das Personal mit etwa rund 30 Personen ist zum größten Teil arisch."

27.10.1938

Dr. Spinak verlässt Königstein Richtung PolenDr. Bernhard (Benno) Spinak

Seine letzte Wohnadresse in Königstein war der Ölmühlweg, vermutlich das Sanatorium Dr. Kohnstamm.

Um 1939 - 1945

Im zweiten Weltkrieg dient das Sanatorium wieder als Lazarett.

1939

Übernahme des Sanatoriums

1939 wurde das gesamte Sanatorium für 225.000 RM an einen Facharzt aus dem Harz verkauft.

1945 - 1951

Nachkriegsereignisse

1945 beschlagnahmten die amerikanischen Streitkräfte das Haus. Über den Wiedergutmachungsweg erhielten die früheren Besitzer das Sanatorium zurück.

02.02.1945

Zerstörung durch Luftangriff

Bei dem Luftangriff am 2./3. Februar 1945 wurde das Gebäude des Sanatoriums zerstört. (Scheinbar wurde der Erweiterungsbau von 1911 zerstört, das bleibt zu recherchieren).

1952 - 1962

Nutzung als private Klinik

Um 1962

Kauf des ehemaligen Sanatoriums durch die Post AG

2002 gründete die Deutsche Post AG das Tochterunternehmen Siegfried-Vögele-Insitut, ein Marketinginstitut, das im Öhlmühlweg 12 residiert.

05.2004

Information des Denkmalamts zu den Kirchner-BildernKirchnerBilder Denkmalamt

2007

Das ehemalige Sanatorium Dr. Kohnstamm im Jahr 2007Vorderansicht des ehemaligen Sanatoriums Dr. Kohnstamm, 2007

Abbildung: Vorderansicht des ehemaligen Sanatoriums Dr. Kohnstamm, 2007

2014

Informationen und Abbildungen zum Sanatorium Dr. KohnstammKönigstein im Taunus (Hochtaunuskreis)

Notizen

Informationen über das Sanatorium Dr. KohnstammSanatorium Dr. Kohnstamm

Über den Maler Ernst Ludwig Kirchner und den Dirigente Otto Klemperer. Mit Abbildungen, in holländischer Sprache.

Informationen über das Sanatorium Dr. Kohnstamm im InternetKönigstein im Taunus (Hochtaunuskreis)

Informationen zu Dr. Oskar Kohnstamm im InternetKohnstamm, Dr. Oskar

Literatur zum Sanatorium Dr. Kohnstamm

Juden in Königstein