Jüdische Pflege- geschichte

Jewish Nursing History

Biographien und Institutionen in Frankfurt am Main

Recherche

Meta Conrath

  • geboreneKahl
  • Geboren

    06.02.1889 in Wintersdorf (Kreis Schwetz, Westpreußen)

  • Gestorben

    19.08.1960 in Köppern

  • Nationalität

    deutsch
  • Konfession

    evangelisch

Chronik

06.02.1889

Geburtsjahr 1889 oder 1888

Laut Hausstandsbuch des Frankfurter jüdischen Krankenhauses Gagernstraße 36 wurde Meta Kahl (später verheiratete Conrath) am 6. Februar 1889 in Wintersdorf (heute: Przechówko) im Kreis Schwetz (Regierungsbezirk Marienwerder, Westpreußen, heute: Pommern, Polen) geboren. (Im Hausstandsbuch wurde als Geburtsjahr ursprünglich 1888 eingetragen, die letzte Ziffer 8 dann aber mit "9" überschrieben.) Eine Recherche bei dem Institut für Stadtgeschichte ergab das Geburtsjahr 1888.  

Um 1900 - 1914

Kindheit und Jugend in Thorn

Meta Conrath wuchs zusammen mit ihrem Bruder Bruno Kahl (1889-1936) und einer jüngeren Schwester (1896-1986) im damals westpreußischen Thorn auf, der Vater war früh verstorben.

1914 - 1918

Rotkreuzschwester, Lazarettpflege im Ersten Weltkrieg (vermutlich Westpreußen), Heirat

Ihren vor 1920 verstorbenen Ehemann lernte Meta Conrath möglicherweise im Lazarett kennen.

Um 1916

Schwesternfoto von Meta Conrath mit der Diensthaube des Deutschen Roten Kreuzes, undatiert (um 1916)Conrath, Meta

Abbildung: Conrath, Meta

Um 1918

Rotkreuzschwester Meta Conrath (vorne rechts) im Lazarett, undatiert (um 1918)Conrath, Meta - Lazarettfoto

Abbildung: Conrath, Meta - Lazarettfoto

Um 1920

Ankunft in Dörnigheim (heute Stadtteil von Maintal, Main-Kinzig-Kreis, Hessen).

Meta Conrath war bereits Witwe, als sie mit ihrer Mutter und den beiden Geschwistern vermutlich 1920 (Angliederung westpreußischer Gebiete an Polen gemäß Versailler Vertrag) in den Westen übersiedelte.

1921 - Um 1925

Oberin von Meta ConrathMinna Hirsch

1921 - 1940

Christliche Kolleginnen in der Frankfurter jüdischen KrankenpflegeFrieda Gauer

1921 - 1940

Christliche Kolleginnen in der Frankfurter jüdischen KrankenpflegeFranziska Fleischer

1921 - 1940

Christliche Krankenschwester am Frankfurter jüdischen Krankenhaus GagernstraßeKrankenhaus der Israelitischen Gemeinde

1921 verlegte Meta Conrath ihren Lebensmittelpunkt nach Frankfurt am Main: Fast zwei Jahrzehnte lang pflegte und wohnte sie im Frankfurter jüdischen Krankenhaus Gagernstraße, das bis zur NS-Zeit auch viele nichtjüdische Patientinnen und Patienten versorgte. Christliche Pflegekräfte wurden u.a. am wöchentlichen Schabbat und während der jüdischen Feiertage eingesetzt.

22.09.1921

Offizieller Arbeitsbeginn im Frankfurter jüdischen Krankenhaus GagernstraßeKrankenhaus der Israelitischen Gemeinde

Zu Anfang pflegte Meta Conrath in der Infektionsabteilung.

Seit 1923

Pflege in der Privatabteilung, Mitwirkung bei der Ausbildung und Anleitung der LehrschwesternKrankenhaus der Israelitischen Gemeinde

In der Privatabteilung war Meta Conrath mit allen Zweigen der Krankenpflege befasst. So versorgte sie Patientinnen und Patienten mit stationären gynäkologischen, urologischen und Augenkrankheiten (Staroperierte) sowie nach schweren OPs. Zudem beteiligte sie ihr Arbeitgeber an der Ausbildung und Anleitung der Lehrschwestern.

Um 1925 - 1940

Oberin von Meta ConrathJulie Glaser

22.09.1931 - 31.12.1940

Ein Gratulationsschreiben, ein Gesundheitszeugnis und acht Arbeitszeugnisse für Meta ConrathConrath, Meta - Korrespondenz (Verein für jüdische Krankenpflegerinnen und des Krankenhauses der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main)

22.09.1931

Abbildung: Gratulationsschreiben des Frankfurter jüdischen Schwesternvereins zum 10-jährigem Dienstjubiläum im Krankenhaus GagernstraßeConrath, Meta - Gratulationsschreiben

Abbildung: Conrath, Meta - Gratulationsschreiben

1938

Ungeklärter Suizid von Meta Conraths Bruder Bruno Kahl (Lehrer, NSDAP-Ortsgruppenleiter in Dörnigheim, ab 1933 NSDAP-Abgeordneter im Kreistag Hanau-Land)

Wie bei vielen Familien während der NS-Zeit war auch Meta Conraths familiäres Umfeld größtenteils nationalsozialistisch eingestellt. Ihr Bruder Bruno Kahl soll sich vor seinem Tod 1938 während eines Lehrgangs in der NS-Schulungsburg (Gauführerschule) zu Kronberg (Taunus) von Hitler und der NSDAP distanziert haben.

18.09.1938

Abbildung: Arbeitszeugnis für Meta Conrath (Urologie des Krankenhauses Gagernstraße)Conrath Meta - Arbeitszeugnis (Urologie)

Abbildung: Conrath Meta - Arbeitszeugnis (Urologie)

30.09.1938

Abbildung: Arbeitszeugnis für Meta Conrath (Facharzt für Innere Krankheiten am Krankenhaus Gagernstraße)Conrath, Meta - Arbeitszeugnis (Internist)

Abbildung: Conrath, Meta - Arbeitszeugnis (Internist)

23.01.1939

Abbildung: Arbeitszeugnis für Meta Conrath (Augenklinik)Conrath, Meta - Arbeitszeugnis (Augenklinik)

Abbildung: Conrath, Meta - Arbeitszeugnis (Augenklinik)

01.03.1939

Abbildung: Arbeitszeugnis für Meta Conrath (Direktor des Krankenhauses Gagernstraße)Conrath, Meta - Arbeitszeugnis (Direktor)

Abbildung: Conrath, Meta - Arbeitszeugnis (Direktor)

Mitte 1939 - 10.1940

Oberschwester der PrivatabteilungKrankenhaus der Israelitischen Gemeinde

Während ihrer Tätigkeit im Krankenhaus war Meta Conrath zeitweise auch Oberschwester der Infektionsabteilung.

22.10.1940

Abbildung: Arbeitszeugnis für Meta Conrath (Leiter des Krankenhauses Gagernstraße)Conrath, Meta - Arbeitszeugnis (Leiter)

Abbildung: Conrath, Meta - Arbeitszeugnis (Leiter)

28.10.1940

Abbildung: Zwischenzeugnis für Meta Conrath (Krankenhaus Gagernstraße)Conrath, Meta - Zwischenzeugnis

Abbildung: Conrath, Meta - Zwischenzeugnis

31.10.1940

Abbildung: Arbeitszeugnis für Meta Conrath (Prof. Dr. Sigmund Weil, Chirurgie des Krankenhauses Gagernstraße)Conrath, Meta - Zeugnis (Chirurgie)

Abbildung: Conrath, Meta - Zeugnis (Chirurgie)

11.1940 - 1960

Meta Conraths Wohnadresse in Frankfurt-EschersheimNeumannstraße 9, Frankfurt am Main

04.11.1940

NS-erzwungener Auszug aus dem Frankfurter jüdischen Krankenhaus GagernstraßeKrankenhaus der Israelitischen Gemeinde

In der NS-Zeit stand Meta Conrath treu zu ihrem Arbeitgeber. So soll sie ihre Verwandten regelmäßig um Lebensmittelkarten gebeten haben, um sie an Patienten, Kolleginnen und Ärzte des jüdischen Krankenhauses Gagernstraße weiterzugeben. Obgleich Schwester Meta offiziell selbst kündigte, liegt nahe, dass die Nichtjüdin ihre langjährige Arbeits- und Wohnstätte auf Druck der Nationalsozialisten aufgab. Sie verließ noch vor Ablauf der 'Kündigungsfrist' (bis 31.12.1940) die Klinik und zog am 4. November 1940 in den Stadtteil Eschersheim, Neumannstraße 9. Kurz darauf trafen ihre Kolleginnen aus dem NS-zwangsgeräumten jüdischen Schwesternhaus im Krankenhaus ein, das zu einem 'Ghettohaus' wurde. Unter den jüdischen Pflegenden, die bereits 1941 deportiert wurden, befand sich auch Meta Conraths frühere Oberin Julie Glaser.

31.12.1940

Abbildung: letztes Arbeitszeugnis für Meta Conrath (Krankenhaus Gagernstraße)Conrath, Meta - Abschlusszeugnis

Abbildung: Conrath, Meta - Abschlusszeugnis

1941 - 1960

Privatpflegerin

Nach ihrer Tätigkeit im Frankfurter jüdischen Krankenhaus Gagernstraße arbeitete die inzwischen über fünfzigjährige Meta Conrath als Privatpflegerin. Familieninformationen zufolge soll sie für längere Zeit auf Schloss Jettingen (Bayerisch-Schwaben) und zuletzt vermutlich auf Schloss Lautlingen (Baden-Württemberg) Caroline, die Mutter des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg, gepflegt haben. Als Caroline Schenk Gräfin von Stauffenberg nach dem 20. Juli 1944 verhaftet wurde, befand sich Meta Conrath gerade auf Heimaturlaub in Frankfurt am Main. Sie blieb in Frankfurt und versorgte dort ihre Mutter.

19.08.1960

Todestag

In Frankfurt am Main wohnte Meta Conrath weiterhin in der Neumannstraße 9. Laut Auskunft der Frankfurter Meldebehörde verstarb sie nicht in Frankfurt, sondern am 19. August 1960 in Köppern (heute Stadtteil von Friedrichsdorf).

1979

Familiengeschichte: Tod des Schwagers Paul Conrath (im Zweiten Weltkrieg General der Fallschirmtruppe)

Meta Conrath hatte mit Paul Conrath (1896-1979), dem Bruder ihres verstorbenen Mannes, auch nach 1945 noch guten Kontakt. Ob der ehemalige Wehrmachtsgeneral trotz seiner engen Verbindungen zu Göring zum Umfeld der Widerstandsbewegung "20. Juli" gehörte, ist bislang ungeklärt.

1991

Familiengeschichte: Literatur zu Meta Conraths Bruder Bruno Kahl "Keiner will es gewesen sein"

21.01.2019

Familientafel Conrath / Kahl, undatiert (Stand 21.01.2019)Conrath, Meta - Familientafel

Christliche Kolleginnen in Frankfurt am MainLuise (Louise) Zorn