Jüdische Pflege- geschichte

Jewish Nursing History

Biographien und Institutionen in Frankfurt am Main

Biographien der Krankenpflege
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Jüdische Pflegegeschichte in Bad Soden: Ida Beith und Jenny Jeidel, die Oberinnen der Israelitischen Kuranstalt

Buchseite: Frühe Publikation des Frankfurter und Bad Sodener Arztes Dr. Salomo Friedrich Stiebel über die Sodener Heilquellen, 1840
Frühe Publikation des Frankfurter und Bad Sodener Arztes Dr. Salomo Friedrich Stiebel über die Sodener Heilquellen, 1840 © Dr. S. F. Stiebel

Die Arbeitsstätte: Zur Geschichte der Israelitischen Kuranstalt (1885–1938)
Vor den Toren Frankfurts liegt im Taunus die Stadt Bad Soden, deren eindrucksvolle Kurgeschichte bis in die Anfänge des 18. Jahrhunderts zurückreicht. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Soden (seit 1922 ‚Bad‘) zum international bekannten Kurort mit vielen prominenten Gästen: neben der Aristokratie oder den Frankfurtern Ludwig Börne (politischer Publizist), Friedrich Stoltze (Mundart-Dichter) und Heinrich Hoffmann (Psychiatrie-Reformer, Autor des „Struwwelpeter“) etwa die Schriftsteller Theodor Fontane, Leo Tolstoi und Iwan Turgenjew, die Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy, Giacomo Meyerbeer und Richard Wagner (vgl. Ulrich/Vetter 2005: 160-180). Die Sodener Israelitische Kultusgemeinde (Rabbinatsbezirk Wiesbaden) war recht klein, so dass vor allem jüdische Frankfurterinnen und Frankfurter an der kurhistorischen Erfolgsgeschichte mitwirkten. 1840 erschien Dr. Salomo Friedrich Stiebels vielbeachtete Schrift Soden und seine Heilquellen, deren Erschließung er selbst förderte. Der Sodener jüdische Lungen- und Badearzt Dr. David Rothschild veröffentlichte 1903 seine Gedanken und Erfahrungen über Kuren in Bad Soden a.T.

Deckblatt: David Rothschild: Gedanken und Erfahrungen über Kuren in Bad Soden a. T., 1903
Publikation des Bad Sodener jüdischen Badearztes Dr. David Rothschild , Deckblatt, 1903 David Rothschild

Angesichts des auch im Hinblick auf jüdische Gäste expandierenden Sodener Kurbetriebs stellte sich für die orthodoxe Frankfurter Israelitische Religionsgesellschaft die Frage nach einer angemessenen rituellen Betreuung und Versorgung; zudem stieg in Frankfurt, auch durch den Zuzug osteuropäisch-jüdischer Pogromflüchtlinge, der Bedarf an einer Kurstätte für verarmte Glaubensgenossen. 1885 erweiterte der orthodoxe Zweig der Frankfurter Bankiersfamilie Rothschild, das Ehepaar Wilhelm Carl und Mathilde von Rothschild und seine Tochter Adelheid de Rothschild, sein umfangreiches Stiftungwerk in Richtung Soden: Geplant war eine Kuranstalt mit bis zu 37 Betten für brust- und lungenkranke, bedürftige „Israeliten beiderlei Geschlechts zu einem Kurgebrauch von vier bis sechs Wochen“ (Schiebler 1994). Sie sollte das orthodox-jüdische Pflegenetzwerk in Frankfurt mit dem Gumpertz’schen Siechenhaus und dem Rothschild’schen Hospital ergänzen, zu dem seit 1903 noch das Frankfurter Rothschild’sche Kinderhospital und die M.A. von Rothschild´sche Lungenheil-Anstalt („Rothschild’sches Sanatorium“) im badischen Nordrach zählten.
Die Sodener Kuranstalt für arme Israeliten startete am 1. Mai 1885 zunächst als koschere Speiseanstalt des ‚Vereins zur Verpflegung kurbedürftiger armer Israeliten in süddeutschen Bädern‘; der erste Standort ist nicht ganz geklärt. Bereits am 20. April verkündete Der Israelit, das Central-Organ für das orthodoxe Judenthum: „Ein hiesiger Wohltäter hat die Mittel herbeigeschafft, für arme Brustleidende, die in Soden ihre Heilung suchen, eine Speiseanstalt für die Dauer der Saison ins Leben zu rufen. Dass für strenges Kaschruth [jüdische Speisevorschriften, d.V.] Sorge getragen ist, dafür bürgt schon der Name des Mannes [vermutlich Michael Moses Mainz als Beauftragter der Familie Rothschild, d.V.], welcher die ganze Angelegenheit in die Hand genommen hat und ihr seine ganze Fürsorge widmet. […] Wer bedenkt, dass eine gute und nahrhafte Kost das erste Erfordernis einer erfolgreichen Kur ist, und wie gerade dies zu beschaffen den armen Kranken gewöhnlich am schwierigsten ist, wird die Bedeutung dieses wohltätigen Unternehmens […] zu würdigen wissen.“ (Israelit XXVI (20.04.1885) 31, Beilage, S. 511).
Die Realisierung ihres Stiftungsprojekts hatten Mathilde und Wilhelm von Rothschild einem bewährten Organisator, ihrem Finanzberater Michael Moses Mainz, anvertraut. Wie seine Auftraggeber stammte Mainz, von Beruf Kursmakler an der Frankfurter Börse, aus einer alteingesessenen Frankfurter jüdischen Familie. Der Sohn eines angesehenen Talmud-Gelehrten war tief religiös. In Erfüllung der Zedaka (soziale Gerechtigkeit durch materiellen Ausgleich) lag ihm die jüdische Armenpflege besonders am Herzen: „Unter M.M. Mainz‘ Leitung entstanden zahlreiche Rothschildsche Stiftungen für Hospitäler, Kinder- und Erholungsheime u.a. in Baden-Baden, Bad Nauheim, Diez und eben die Sodener Israelitische Kuranstalt“ (Ullrich/Vetter 2005: 116). In Bad Soden erwarb Moses Michael Mainz 1886 das ‚Haus Philosophenruh‘, Dachbergstraße 19 [heute Nr. 25] (vgl. ebd.: 40). Und noch im gleichen Jahr bekam das bis 1889 offiziell als koschere ‚Speiseanstalt‘ geführte Kurheim seine erste Oberin und Verwalterin.

Sie trug „stets Schwesterntracht“: Oberin Ida Beith (1855–1918)

Herkunft aus Norddeutschland
Oberin Ida Beith, „Jettche“ genannt, wurde am 8. August 1855 in Altona (heute Bezirk von Hamburg) geboren, im einst kulturell und ökonomisch bedeutenden „jüdischen Zentrum des Nordens“ (Alicke 2008: 92) mit einer aschkenasisch-deutschen und einer portugiesisch-sephardischen Gemeinde. Ida Beiths Großvater Gabriel Benjamin Hacohen hatte das Rabbinat für seine besondere religiöse Gelehrsamkeit den Titel eines ‚Morenu‘ (hebräisch: ‚unser Lehrer‘) verliehen. Ihre Mutter Henriette „Hendel“ (geb. Hacohen) und vermutlich auch ihr Vater R.[abbiner] (vgl. Vetter/Wagner 1987: 163) Abraham Mordechai Beith siedelten später ebenfalls in das südhessische Bad Soden über, ebenso ihre jüngere Schwester Sara Kallner, die das Sodener orthodox-jüdische Erholungsheim Villa Aspira leitete. Was Ida Beiths Ausbildung anging, war sie, da sich die professionelle deutsch-jüdische Krankenpflege erst seit 1893 institutionalisierte, möglicherweise nur angelernt worden: in einem jüdischen Wohlfahrtsverein oder Spital, möglicherweise sogar im Israelitischen Krankenhaus zu Hamburg (vgl. zur Hamburger jüdischen Pflegegeschichte Hackmann 2012).
Drei Jahrzehnte Oberin (Wilhelminisches Kaiserreich, Erster Weltkrieg)
In Erinnerung blieb Ida Beith als eine „zierliche, dunkelhaarige Frau“, die „stets Schwesterntracht trug“ (AK Frauen Bad Soden (Hg.) o.J.: 9). Den herausfordernden Posten der Oberin und Verwalterin einer expandierenden Kurklinik trat sie 1886 mit Anfang Dreißig an. In den nächsten drei Jahrzehnten bewältigte sie nicht nur ein wachsendes pflegerisches und organisatorisches Aufgabengebiet, sondern auch die Auswirkungen umfangreicher Bau- und Modernisierungsmaßnahmen auf den betrieblichen Ablauf. 1889 wurde dank der engagierten Förderung Mathilde von Rothschilds und der von Michael Moses Mainz mitbegründeten Frankfurt-Loge Bne Briss am Abhang des Dachbergs die eigentliche Kuranstalt mit anfangs 22 Betten eröffnet; die Klinikverwaltung erhielt ihren Sitz in der Talstraße 2: „Das durch die Großmuth der Freifrau Wilhelm von Rothschild erbaute Haus, Speisesaal und Küche enthaltend, mit schöner, luftiger Veranda, wurde seiner Bestimmung übergeben. 133 Patienten (gegen 98 im Vorjahre) fanden Pflege durch Herrn Dr. Heinrich Mayer. Wie dem angefügten Berichte des Arztes zu entnehmen ist, waren von den Patienten 75 Männer, 58 Frauen, der jüngste 10, der älteste 81 Jahre, Deutsche 126, Russen 6, Österreicher 1 […]“ (Israelit und Jeschurun XXXI (12.05.1890) 37, S. 672, http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/judaica/nav/index/all).
Betreut wurden Bedürftige, deren Lungenleiden sich noch im Anfangsstadium befanden und durch beengte Wohnverhältnisse weiter verschlimmerten; auch sollten die Abwehrkräfte wiederhergestellt und stabilisiert werden. Die Nachfrage überstieg bei weitem die Kapazitäten: „Das Haus selbst enthält nur Raum für elf weibliche Kranke, Männer werden in das Haus nicht aufgenommen; die übrigen vom Verein nach Soden Entsandten haben auf eigene Kosten für Wohnung zu sorgen, hingegen erhalten sämtliche Kranken Verpflegung, ärztliche Behandlung, Bäder und Arzneien kostenfrei in der Anstalt. In dem großen und prächtigen Speisesaale, der ungefähr 100 Personen fasst, versammeln sich die Pfleglinge zum gemeinschaftlichen Mittagsmahle […]. Allein, wenn es das Wetter irgendwie zulässt […] wird in der freien, jedoch vor Zugluft geschützten Veranda gespeist. Die Kost, natürlich streng rituell, ist eine vorzügliche und entspricht, wie auch alle Einrichtungen des Hauses, allen Anforderungen der Hygiene. Hinter dem Hause breitet sich ein prächtiger, Obst- und Zierbäume enthaltender Garten aus, der den Patienten zum Aufenthalt dient. […] Es ist ein Hochgefühl aus dem Berichte des leitenden Arztes, Herr Dr. Heinrich Mayer […] zu erfahren, dass von den 133 Patienten, welche den vorigen Sommer die Anstalt frequentierten, und von denen 80% lungenleidend waren, nur bei 10 ein geringer Erfolg der Kur zu verzeichnen ist“ (Israelit und Jeschurun“ XXXI (22.05.1890) 40, Belletristische Beilage, S. 741-743, hier 741, 742). 1894 stellte Mathilde von Rothschild weitere Mittel zur Verfügung, „um über unserem Speisesaal neue Wohnräume bauen zu lassen; dadurch wird es uns ermöglicht werden, einen großen Teil der Patienten, die bisher auf ihre eigene Rechnung in Privathäusern sich Wohnung miethen mussten, in Zukunft in der Anstalt selbst unterbringen zu können und dadurch auch unter besserer ärztlicher Controlle zu haben. […] Im verflossenen Sommer wurde unsere Anstalt von 170 Patienten besucht; noch nie haben wir auch nur annähernd eine solche Frequenz-Ziffer erreicht, und doch musste ein großer Teil der Bittgesuche wegen Mangel an Platz zurückgewiesen werden. Von diesen 170 Kranken waren 71 Männer, 88 Frauen, 4 Knaben und 7 Mädchen […]“ (Israelit XXXV (10.05.1894) 37, 2. Beilage, S. 687). Oberin Ida Beiths Pfleglinge litten vorwiegend unter Lungensucht, Emphysemen, Bronchialkatarrh, Konstitutionskrankheiten und Nervenleiden.
1895 war Ida Beith mit den Vorbereitungen zum 10jährigen Jubiläum der Israelitischen Kuranstalt befasst. „Mit 50 Patienten wurde vor 10 Jahren die Kuranstalt für arme Israeliten hier eröffnet, sie zeigt von Jahr zu Jahr eine je steigende Zunahme, bis im Jahre 1894 die stattliche Zahl 192 erreicht wurde. Der neue Etagenbau über dem Speisesaal wurde im Sommer fertiggestellt und bereits bei Eintritt der kälteren Jahreszeit von den brustkranken Wintergästen, die diesmal die Zahl 46 erreicht, in Gebrauch genommen. Den ganzen Neubau umgibt eine Veranda, die auch bei schlechter Witterung den Kranken den Aufenthalt im Freien gestattet […]. Der Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde, ferner die Berthold Auerbach-Loge, die deutsche Reichsloge und die Montefiore-Loge des U.O.B.B. unterstützen die Anstalt […]“ (Allgemeine Zeitung des Judentums 59 (07.06.1895) 23, Beilage ‚Der Gemeindebote‘, S. 3).
1898 stellte eine Feier die Oberin einmal selbst im Mittelpunkt. Sie fand anlässlich des 80. Geburtstags ihres Vaters Abraham statt, der zu dieser Zeit mit ihrer Mutter Hendel in Altona lebte: „Als am verflossenen Sonntagmorgen […] die frohe Kunde den Speisesaal der israelitischen Kuranstalt dahier durchlief, der Vater des allverehrten und hochgeschätzten Fräulein Beith […] begehe heute seinen achtzigsten Geburtstag, da musste es jeden Augenzeugen wirklich rühren, wie die Patienten der Anstalt wetteiferten, ihre warme und innige Teilnahme bezeugen zu können. Fräulein Beith war sichtlich überrascht, als man ihr beim Eintritt in den Saal allerseits die herzlichsten Glückwünsche darbrachte, indem dieselbe von einer öffentlichen Kundgebung aus Bescheidenheit absehen wollte. […] Ebenso gedachte ein Patient rühmend in seinem Trinkspruche der vielen Verdienste, die sich die geehrte Verwalterin durch ihr unermüdliches Ausüben in Wohltätigkeit erwirbt und betonte unter anderem, dass es uns zwar nicht vergönnt ist, Herrn Beith persönlich zu kennen, allein durch das edle und gerechte Schalten und Walten der Verwalterin dieses Hauses können wir uns deren Vater im Geiste vorstellen. […] Das Dienstpersonal sowie eine Gesellschaft von Damen und eine von Herren der Anstalt sandten Glückwunschtelegramme an die Familie Beith nach Altona ab“ (Israelit XXXIX (01.09.1898) 69, 3. Beilage, S. 1292-1293).
Aus der Frankfurter jüdischen Gemeinde kam weiterhin großzügige Unterstützung. Um 1900 errichtete die Witwe Sara Kulp zum Gedenken an ihren Mann Menko Marx Kulp eine Freibettstiftung. Der ein Jahr zuvor verstorbene Sussmann Una hinterließ der Israelitischen Kuranstalt 24.000 Mark für Freibettstiftungen. „Zum ewigen Gedächtnis an die Stifter haben wir Marmortafeln mit entsprechender Inschrift an geeigneter Stelle in unserem Anstaltsgebäude errichtet“ (Israelit 41 (17.05.1900) 40, 1. Beilage, S. 820). Zu den langjährigen Vorstandsmitgliedern der Kuranstalt gehörte neben Michael Moses Mainz (stellv. Vorsitzender) der Chefarzt der orthodox-jüdischen Frankfurter Kliniken Rothschild’sches Hospital und Rothschild’sches Kinderhospital, Dr. Elias Rosenbaum (Vorsitzender). Erster leitender Arzt der Israelitischen Kuranstalt war Dr. Heinrich Mayer. Im Jahre 1900 erhielt Ida Beith mit Dr. Max Isserlin einen neuen medizinischen Vorgesetzten, der den Posten des Chefarztes bis 1938 innehatte. Der angesehene Lungenarzt stammte (wie die Oberin des Frankfurter Gumpertz’schen Siechenhauses, Rahel Seckbach) aus Prostken (vgl. StA BS: Personenstammdatenblatt), einer Kleinstadt an der damaligen deutsch-russischen Grenze (andere Quellen nennen als Geburtsort Königsberg i.Pr., vgl. Genealogien Isserlin).
In den Folgejahren weitete sich das Aufgabengebiet der Oberin aus: „Waschanstalt, Desinfektionsgebäude, Badeanstalt und Absonderungsräume für TBC-Kranke entstanden zwischen 1902 und 1905. Bereits […] 1909 musste ein großer Anbau erstellt werden, in dem Einrichtungen der für die Tuberkulose-Behandlung wichtig gewordenen Röntgen-Diagnostik Platz fanden. Eine separate Milchküche, bessere Personal-Wohnräume und die Vergrößerung der Veranda […] entstanden ebenfalls […]“ (Ullrich/Vetter 2005: 117 [Hervorheb. im Orig.]). 1909 stellte die getreue Stifterin Mathilde von Rothschild Mittel bereit, um „den schon lange erforderlichen Neubau eines modern ausgestatteten und den Zwecken der Anstalt entsprechend eingerichteten Kurhauses zu errichten. […] Wie dem […] ärztlichen Bericht zu entnehmen ist, setzten sich die Patienten so ziemlich aus allen Teilen Deutschlands zusammen, doch waren auch einige Aufnahmen […] aus Belgien, Frankreich, Russland und der Schweiz zu verzeichnen“ […] (Allgemeine Zeitung des Judentums 74 (06.05.1910) 18, Beilage ‚Der Gemeindebote‘, S. 3). Von ihrem Selbstverständnis her war die Sodener Israelitische Kuranstalt „das einzige jüdische Sanatorium, welches Sommer wie Winter Männer und Frauen ihren religiösen Grundsätzen getreu verpflegt. […] Mit größter Opferfreudigkeit begründet, blickt die Sodener Anstalt heute auf eine überaus segensreiche Entwicklung zurück. […] Niemals hat es unserem Volke an offenen Händen und Herzen gefehlt, wenn es galt, eine der großen Mizwaus [= Mitzwot: Gebote, d.V.), wie Bikur Chaulim (= Bikkur Cholim: Krankenbesuch/ Krankenpflege, d.V.) es ist, zu erfüllen“ (Frankfurter Israelitisches Familienblatt 8 (09.09.1910) 35, S. 4). Und zum 25jährigen Jubiläum schrieb das Frankfurter Israelitische Familienblatt: „Wenn wir bei einem Ausflug in den lieblichen Taunus durch das alt-berühmte Bad Soden kommen – wir haben uns in seinem schönen Kurparke an den herrlichen Anlagen erfreut, haben in dem Quellenpark die verschiedenen Brunnen gekostet und sogar ‚Champagner‘ getrunken – […] da lenkt ein eigenartiger Gebäudekomplex unsere Aufmerksamkeit auf sich. Wir treten näher heran und lesen die Inschriften: ‚Unbefugten ist der Zutritt verboten‘, ‚Besuchszeit von 5-7 Uhr nachmittags‘ – […] ‚Die Kuranstalt für arme Israeliten.‘ […] Wir treten in einen weiten hellen Vorraum, der eine Flucht von Zimmern verbindet. Im Parterre finden wir das modern eingerichtete Sprechzimmer, Laboratorium und Dunkelkammer, das Wartezimmer und das Büro. Auf der anderen Seite des Ganges liegen die Küchenräume. Fleisch- und Milchküche natürlich getrennt, mit den neusten hygienischen Einrichtungen versehen. Von hier aus kommt man in den Speisesaal, einen freundlichen hellen Raum, der von 2 Seiten nur Glaswände hat und volles Licht empfängt. – Im Sommer braucht man nur die großen Fenster zu öffnen, und die Patienten speisen vollständig im Freien. Hieran schließt sich der Gesellschaftsraum. Spieltische laden hier zu allerhand Brettspielen ein, ein Flügel ermöglicht musikalische Unterhaltungen, und Zeitschriften und Bücher bieten jedem Zerstreuung. Ein Schrein mit Torarollen erzählt uns, dass die Patienten sich hier zum Gebet vereinigen können. Im zweiten Stock besuchen wir zuerst die Liegehalle, ein weiter, breiter Raum, in dem etwa 30 Patienten Liegekur machen können. […] Wir kommen die Treppen herunter und lesen folgende Inschrift: ‚Dieser Bau wurde errichtet zum Wohle leidender Israeliten durch Freifrau Wilhelm von Rothschild im Jahre 1909.‘ […] in den 25 Jahren sind zirka 5000 Patienten verpflegt worden. […] Eine Anzahl von Freibettstiftungen sind durch Tafeln am Eingang mit den Namen der edlen Spender verewigt“ (vgl. Anonym. 1910).
1912 erhielten insgesamt 273 Lungenkranke medizinische und pflegerische Betreuung (vgl. Schiebler 1994). Der Beginn des Ersten Weltkriegs im August 1914 hielt für Ida Beith weitere Anforderungen bereit, zumal Dr. Isserlin im Hause nicht zur Verfügung stand, sondern als Stabsarzt an der Westfront diente. 1915 wurde er „für seine Verdienste im Priesterwalde [nordöstlich von Pont-à-Mousson/ Moselbrück, d.V.] und bei anderen Gefechten“ mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (Frankfurter Israelitisches Familienblatt v. 26.08.1915, http://www.alemannia-judaica.de/bad_soden_synagoge.htm).

Dokument: Sterbeurkunde von Ida Beith, der ersten Oberin der Israelitischen Kuranstalt zu Bad Soden
Sterbeurkunde von Ida Beith, der ersten Oberin der Israelitischen Kuranstalt zu Bad Soden © Stadtarchiv Bad Soden

Im gleichen Jahr wurde Ida Beith 60 Jahre alt. Als Oberin unterstand ihr auch das in der Israelitischen Kuranstalt eingerichtete Lazarett für verwundete und erholungsbedürftige Soldaten. 1917 verstarb ihre Mutter Hendel, welche in der Kuranstalt gewohnt und nach Kräften geholfen hatte: „Sie unterstützte ihre Tochter bei der Pflege der meist schwer lungenkranken Patientinnen und Patienten, selbstverständlich unentgeltlich, wohl nur für kostenlose Unterkunft und Versorgung“ (AK Frauen Bad Soden (Hg.) o.J.: 9). Nur ein Jahr später, am 9. Oktober 1918, verstarb nach einem anstrengenden Berufsleben mit 63 Jahren auch Ida Beith. Ihre letzte Ruhestätte fand sie an der Seite ihrer Mutter auf dem Jüdischen Friedhof Bad Soden (vgl. Vetter/Wagner 1987: 185, 204).
Dank seiner epigraphischen Forschungsarbeit hat der Arbeitskreis für Bad Sodener Geschichte die Inschrift auf ihrem Grabstein zugänglich gemacht (zit. n. ebd.: 163):

Ihre Hand streckte sie aus dem Armen
und ihre Hände reichte sie dem Dürftigen,
die Pflegerin, JETTCHE BEITH
Tochter des d.i. Abraham Mordechai sel.A.
30 Jahre lang führte sie die Kranken-
Anstalt und mehr als 3000 (Patienten)
die in ihr Zuversicht suchten
werden in den Toren ihre Taten loben
und die sie gebar, glücklich preisen.“
Auch die Verdienste von Ida Beiths Mutter wurden posthum gewürdigt:
„Viele Töchter erwiesen sich tüchtig,
du aber ragtest über alle hinaus!
die fromme Greisin Hendel Beith
Tochter des Morenu
Gabriel Benjamin Hacohen,
Ehefrau des R. Abraham Mordechai sel.A. aus Altona,
alle ihre Lebenstage waren voller Mühsal;
doch alle Sorgen besiegte das Vertrauen;
es fiel die Krone unseres Hauptes mit ihrem Hinscheiden […].“

Anzeige: Orthodox-jüdisches Kurheim in Bad Soden, ganzseitige Anzeige in: Der Israelit 52 (1911) 38, 21.09.1911, S. 20
Orthodox-jüdisches Kurheim in Bad Soden, ganzseitige Anzeige in: Der Israelit 52 (1911) 38, 21.09.1911, S. 20

Sara Kallner (geb. Beith) und das jüdische Erholungsheim Villa Aspira in Bad Soden
Ihre letzten Lebensstunden hatte Oberin Ida Beith in der Villa Aspira verbracht, dem Sodener orthodox-jüdischen Kurheim, das ihre jüngere Schwester Sara Kallner und der Schwager Dr. Adolf Kallner leiteten. Das 1911 eröffnete „große Haus mit seinen Liegeterrassen und Balkonen, ganz im Grünen gelegen, war von Anfang an als Erholungsheim für strenggläubige Juden konzipiert worden“ (Ullrich/Vetter 2005: 115). Über seine Ausstattung informiert eine ganzseitige Werbeanzeige im Israelit (52 (1911) 38, 21.09.1911, S. 20, vgl. auch http://www.alemannia-judaica.de/bad_soden_synagoge.htm): „Individuelle Sanatoriums-Behandlung. Diätkuren, Kalt-Wasserkuren, medizinische Bäder, Liege-Kuren, Sonnenbäder. Mit allem Komfort in jedem Zimmer. Zentralheizung, elektrisches Licht, Wasserleitung, schallsichere Wände, Sanitas-Boden, Balkon. Freundliche Gesellschaftsräume“. Die ‚Erholungsheim Villa Aspira GmbH‘, gegründet von Sara Beith (später Kallner), Dr. Adolf Kallner und Ignatz Aron, stand unter der rituellen Aufsicht der Rabbiner Dr. Auerbach (Halberstadt/Sachsen-Anhalt), Dr. Kohn (Ansbach/Bayern) und Dr. Munk (Berlin). Auf weitere überregionale Verbindungen des Kurheims verweisen auch die Ortsangaben zu den drei beteiligten Ärzten Dr. Ascher (Nordrach/Baden), Dr. Frank (Altona, dem Geburtsort Ida Beiths und Sara Kallners) und Dr. med. Hirsch (Bad Nauheim/Hessen). Der aus Lettland stammende Leiter Adolf Kallner war kein Mediziner, sondern Philologe: 1902 hatte er an der Philosophischen Fakultät der Universität Gießen über den „Mischnah-Kommentar des berühmten jüdischen Arztes und Philosophen Maimonides zum Traktat Taanith I. II.“ promoviert (UB Gießen, Gießener Diss., Sign. 179; Kallner 1902). Dr. Kallner verstarb 1922 im Alter von 50 Jahren. Im Nachruf heißt es: „Er hatte ein gutes jüdisches Wissen und vertiefte es tagtäglich. Da die jüdische Gemeinde Sodens keinen Kultusbeamten hat, so fungierte er auch als Schliach Zibbur [‚Gesandter der Gemeinde‘, Vorbeter, d.V.]. Durch sein gütiges Wesen hatte er sich viele Freunde erworben“ (Frankfurter Israelitische Familienblatt 20 (19.01.1922) 3, S. 2). Wie die Schwägerin Ida Beith und seine Schwiegermutter Hendel liegt Adolf Kallner auf dem Sodener Friedhof begraben (vgl. Kromer 1991: 422). Seine Witwe Sara Kallner führte das Kurheim fort. Zudem war sie Vorsitzende des Bad Sodener Israelitischen Frauenvereins (1924: 15 Mitglieder), der sich u.a. um das rituelle Bestattungswesen kümmerte (vgl. Alemannia Judaica (Bad Soden: Jüdische Geschichte)). In der NS-Zeit versuchte sie den antisemitischen Angriffen auf ihr Lebenswerk so lange wie möglich zu widerstehen, doch vergebens: 1934 ‚übernahm‘ die NSDAP 1934 das Gebäude, die Deutsche Arbeitsfront richtete dort 1938 Büros und Schulungsräume ein (vgl. Ullrich/Vetter 2005: 215). 1937 heißt es im Wanderbericht des Lehrers und Kantors Saul Lilienthal über jüdische Stätten in Hessen: „Die frühere Besitzerin der Kuranstalt der Villa Aspira […] gewährt nach vorheriger Anmeldung Dauergästen und Durchwanderern auch heute noch Unterkunft und streng rituelle Verpflegung“ (Lilienthal 1937: 26). Sara Kallner verließ Nazideutschland und ging nach Eretz Israel, wohin auch ihre Tochter Eva Kallner, eine Zahnärztin, emigrierte (vgl. Kromer 1991: 239). Von dem Leben und Wirken der frommen jüdischen Familie Beith und ihrer Bedeutung für die Bad Sodener Kur- und Pflegegeschichte zeugen heute nur noch die Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof.

Oberin Jenny Jeidel (1885 – 1942 deportiert)

Herkunft aus Südhessen
1919 war für Ida Beith eine Nachfolgerin gefunden: Jenny Jeidel, „Jettchen“ genannt, geboren am 13. November 1885 in Pfungstadt (bei Darmstadt). Ihr Ausbildungsort ist unbekannt, doch erfüllte sie hinsichtlich Herkunft und Sozialisation alle Voraussetzungen einer jüdischen Krankenschwester, so entstammte sie einem soliden jüdischen Familienverband der unteren Mittelschicht. Ihr Vater Hirsch Jeidel und sein Bruder Joseph führten den Familienbetrieb Lazarus Jeidel (Jennys Großvater), welcher „mit Stoffen, Kleidern, Papier und Eisen“ handelte (Goethals u.a. 2007: 30). Jennys Onkel Joseph Jeidel (vgl. Abb. in ebd.), langjähriger Vorsitzender der Pfungstädter jüdischen Gemeinde, galt als „streng orthodox“ (ebd.). Ihr Vater Hirsch Jeidel verstarb bereits 1912, über die Mutter Mathilde geb. Meyer (1854–1927) ist wenig bekannt. Jennys Schwestern Agathe Blum (1882–1918) und Mina Rothschild (geb. 1894, 1942 deportiert) heirateten spät, Jenny blieb ledig und musste selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen.
Zwei Jahrzehnte Oberin (Weimarer Republik, NS-Zeit)
Auf welchen Wegen Jenny Jeidel, ob durch Kontakte oder eine Stellenannonce, nach Bad Soden gelangte, ist unbekannt. Als sie ihre Stelle am 6. Oktober 1919 (vgl. StA BS: Liste 1938) antrat, lag der Erste Weltkrieg mit seinen Verwüstungen bereits ein Jahr zurück, doch kämpfte die Israelitische Kuranstalt ebenso wie die anderen Pflege- und Sozialeinrichtungen mit finanziellen Problemen, in den Kurorten blieben die Gäste aus. Während der Inflationsjahre halfen wiederholt Mathilde von Rothschild und von Paris aus ihre Tochter Adelheid mit weiteren Zuwendungen. Aus Kostengründen versorgte die Kuranstalt inzwischen auch bessergestellte Patientinnen und Patienten. 1934 war sie „neuerdings weitgehend modernisiert und auch ärztlich noch ausgebaut worden. Privatpatienten, Versicherte und von jüdischen Organisationen betreute Patienten finden Aufnahme und ärztliche Betreuung zu mäßigen Sätzen. Die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte belegt die Anstalten seit vielen Jahren. Es ist uns bekannt, dass sie entsprechenden Anträgen von Kranken, die auf rituelle Verpflegung Wert legen, im allgemeinen Rechnung trägt“ (Israelit 75 (09.05.1934) 19, S. 8).

Gedenkstein: für die 1938 zerstörte Israelitische Kuranstalt zu Bad Soden, 2013
Gedenkstein für die 1938 zerstörte Israelitische Kuranstalt zu Bad Soden, 2013 © Dr. Birgit Seemann

Jenny Jeidels Dienstzeit reichte bis in die NS-Zeit, in der die jüdischen Institutionen einem staatlich organisierten und gezielt gesteigerten Antisemitismus ausgesetzt waren. Bis 1934 verliefen die jüdisch-nichtjüdischen Beziehungen in Bad Soden offenbar noch weitgehend problemlos: „Man begegnete den jüdischen Glaubensgewohnheiten mit einer Mischung von Scheu und Achtung“ (Kromer 1988: 15). Eine 1936 veranlasste Zwangsschließung der Israelitischen Kuranstalt wurde mangels anderweitiger Behandlungsmöglichkeiten für jüdische Kranke wieder aufgehoben; die erwogene Zusammenlegung mit der zweiten Rothschild’schen Kurklinik im badischen Nordrach veweigerten die dortigen Nationalsozialisten. 1937 notierte Saul Lilienthal in seinen Wanderbericht: „Ursprünglich eine Kuranstalt für arme Israeliten, muss sie sich seit der Inflation, die fast alle Stiftungen verschlang, selbst erhalten. In einem besonderen Gebäude sind Lungenkranke untergebracht, die sonst in Soden überhaupt keine Aufnahme finden. Die Anstalt wird streng rituell geführt, ist fast immer gut besetzt (mit 25 bis 30 Patienten) und zählt etwa 10 Angestellte (Leiter: Dr. Isserlin, Vertreter Dr. Vollmann und Dr. Heinemann). Im Winter wird in der Anstalt selbst, im Sommer in der Synagoge noch regelmäßig Gottesdienst gehalten, den entweder einer der Ärzte oder ein Patient leitet“ (Lilienthal 1937).
Von der Zerstörung der Israelitischen Kuranstalt während des Novemberpogroms 1938 existieren Fotografien (vgl. HHStAW \ 3008/1); mitten in der Nacht brannten die Nazitäter die Lungenklinik bis auf die Grundmauern nieder. Zuvor hatten die Brandstifter die Patientinnen und Patienten hinaus in die winterliche Kälte getrieben. Zeitzeugen berichteten: „Als ich am nächsten Tag in die Schule kam, waren alle Schüler in heller Aufregung und erzählten, dass die Häuser der jüdischen Mitbürger in der Nacht zerstört worden waren und dass die Israelitische Kuranstalt, die die Nazis abfällig ‚Wanzenbude‘ nannten, abgebrannt war. Man hatte die kranken alten Menschen aus den Betten gerissen und in Bademänteln und Pantoffeln auf die Straße getrieben. Viele Jahre später berichtete mir eine Augenzeugin, dass sie damals sah, wie man die alten Menschen durch die Unterführung im Höchster Bahnhof in Richtung Ostbahnhof trieb“ (zit. n. Sieberhagen/ Thilenius 2013). Auch das Personal, darunter Oberin Jenny Jeidel, musste die Kuranstalt für immer verlassen; es wurde mit den Patientinnen und Patienten nach Frankfurt in das Rothschild’sche Hospital verlegt. Der Chefarzt Dr. Max Isserlin flüchtete vor der Verhaftung und KZ-Einweisung, die nach dem Novemberpogrom 1938 den jüdischen Männern drohte, zusammen mit seiner Frau Regina nach England. 1940 ging die gesamte Liegenschaft in den Besitz der Stadt Bad Soden über. An die vernichtete Israelitische Kuranstalt erinnert seit 1982 ein Gedenkstein.

Um sich vor den Deportationen zu retten, flüchtete Jenny Jeidel aus Frankfurt und traf am 11. November 1941 in ihrer Geburtsstadt Pfungstadt ein, wo die NS-Behörden sie sogleich in das ‚Ghettohaus‘ Bornstraße 12 einquartierten (vgl. Goethals u.a. 2007: 163). Das Elternhaus Kirchstraße 54 (ebd.: 28, 162 (Abb.)) war bereits verloren. Am 18. März 1942 verfügte die Gestapo die ‚Abschiebung‘ von Jenny Jeidel, ihrer verwitweten Schwester Mina Rothschild und sieben Mitbewohner/innen (vgl. Kingreen 2007: 192), darunter vier Kinder, nach Darmstadt: In den frühen Morgenstunden mussten sie „unter Misshandlungen und Beschimpfungen vor dem Rathaus einen Lastwagen besteigen […]. Es gab noch einige wenige Pfungstädter, die sich verabschieden wollten, von den Begleitpersonen aber beschimpft und brutal zurückgestoßen wurden“ (Goethals u.a. 2007: 164). Nach einem Zwangsaufenthalt in der als Sammellager missbrauchten Darmstädter Liebigschule wurden die jüdischen Pfungstädter/innen am 25. März 1942 bei der ersten Massendeportation aus Darmstadt nach Polen verschleppt. Dort hatten die NS-Mörder in Piaski (Wojwodschaft Lublin) ein so genanntes Transitghetto errichtet, aus dem Deportationszüge in die Vernichtungslager Belzec und Sobibor fuhren. Oberin Jenny Jeidel und Mina Rothschild haben die Schoah mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht überlebt. An die beiden Schwestern erinnern seit 2011 zwei Pfungstädter ‚Stolpersteine‘.

Die Autorin dankt Frau Dr. Schalles (Stadtarchiv Bad Soden) und Herrn Nördinger (Kulturamtsleiter der Stadt Bad Soden) für wichtige Hinweise und die freundliche Aufnahme.

Birgit Seemann, 2014

Ungedruckte Quellen

Stadtarchiv Bad Soden (StA BS)
– Fremdenlisten
– Liste mit Angestellten der Israelitischen Kuranstalt (10.03.1938)
– Personenstammdatenblatt: damalige jüdische Einwohner/innen Bad Sodens (Zusammenstellung StA BS)
– Sterberegister 1917–1924

Universitätsbibliothek Gießen (UB Gießen):
– Gießener Dissertationen, Sign. 179 (Kallner, Adolf)

Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (HHStAW)
– HHStAW \ 3008/1, Allgemeine Bildersammlung: Bad Soden: brennende Israelitische Kuranstalt; Bad Soden: Israelitische Kuranstalt nach dem Brand [Bilderserien 1938, fotogr. v. Lothar Schilling, Kopien im StA BS]

Literatur

AK Frauen Bad Soden (Hg.) o. J.: Arbeitskreis Frauen leben in Bad Soden (Hg.) o. J.: In 200 Jahre Frauenalltag in Bad Soden. In Zsarb. mit d. Magistrat. Bad Soden am Taunus.

Alicke, Klaus-Dieter 2008: Altona (Schleswig-Holstein). In: ders.: Lexikon der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum. Bd. 1: Aach – Groß-Bieberau. Gütersloh, S. 92-96.

Anonym. 1910: Zum 25jährigen Jubiläum der Sodener Kuranstalt für arme Israeliten. In: Frankfurter Israelitisches Familienblatt 8 (30.09.1910) 38, Beilage ‚Jüdische Jugend‘, S. 5.

Goethals, Stephanie [u.a.] 2007: Abschied ohne Wiederkehr. Jüdisches Leben in Pfungstadt von 1933 bis 1945. Hg. v. Stadtarchiv Pfungstadt. Pfungstadt.

Gut, Elias 1928: Geschichte der Frankfurt-Loge 1888-1928. Frankfurt a.M.

Hackmann, Mathilde 2012: „Guter Ruf wegen der Betreuung seiner Patienten“. Die Entwicklung der jüdischen Pflege in Hamburg Pflegezeitschrift 65 (2012) 1, S. 40-42.

Isserlin, Issor Josua 1911: Nachruf. In: Israelit 52 (19.10.1911) 42, S. 9, online: Alemannia Judaica; Compact Memory.

Kallner, Adolf 1902: Mischnah-Commentar des Maimonides zum Traktat Taanith I. II. Im Urtext mit hebräischer Übersetzung des El-Fawwal mit Einl. u. Anm. zum ersten Male hg. Leipzig 1902 [Gießen Phil. Diss. v. 1902]

Kingreen, Monica 2007: Die Opfer des Holocaust aus Pfungstadt und Eschollbrücken. Biografische Skizzen. In: Goethals [u.a.] 2007, S. 191-206.

Kromer, Joachim 1988: Der 10. November 1938. Darstellung der Entwicklungen und der Aktionen gegen Juden in Bad Soden a. Ts. nach den Akten des Prozesses vom Juni 1949. Hg. v. Arbeitskreis für Bad Sodener Geschichte mit Unterstützung des Magistrats der Stadt Bad Soden a.Ts. Bad Soden.

Ders. 1990: Bad Soden am Taunus: Stadtgeschichte. Hg. v. Magistrat der Stadt Bad Soden am Taunus. [Bd. 1:] Leben aus den Quellen. Frankfurt a.M.

Ders. 1991: Bad Soden am Taunus: Stadtgeschichte. Hg. v. Magistrat der Stadt Bad Soden am Taunus. Bd. 2: Bestehen aus der Geschichte. Frankfurt a.M.

Lilienthal, S. 1937: Rund um den Feldberg. In: Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main 15 (1937), April, Nr. 7, Beilage Jugend und Gemeinde, S. 26-29 (S. 26: Bad Soden)

Rothschild, David 1903: Gedanken und Erfahrungen über Kuren in Bad Soden a.T. Von Dr. med. David Rothschild, Badearzt in Bad Soden a.Taunus. Frankfurt a.M.

Schiebler, Gerhard 1994: Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden/Taunus. In: Lustiger, Arno (Hg.) 1994: Jüdische Stiftungen in Frankfurt am Main. Stiftungen, Schenkungen, Organisationen und Vereine mit Kurzbiographien jüdischer Bürger dargest. v. Gerhard Schiebler. Mit Beitr. v. Hans Achinger [u.a.]. Hg. i.A. der M.-J.-Kirchheim’schen Stiftung in Frankfurt am Main. 2. unveränd. Aufl. Sigmaringen, S. 146.

Sieberhagen, Christine/Thilenius, Dietmut 2013: „Ständige Wachsamkeit ist nötig“. Bad Sodener Ärztin erlebt als Kind die Pogrome 1938 mit und setzt sich deshalb heute für Minderheiten ein, Frankfurter Neue Presse v. 09.11.2012, aktualis. 13.04.2013, http://www.fnp.de/lokales/main-taunus-kreis/Staendige-Wachsamkeit-ist-noetig;art676,237245 (Aufruf v. 19.05.2014).

Stiebel, S.[alomon] F.[riedrich] 1840: Soden und seine Heilquellen. Frankfurt a.M.

Ullrich, Erika/ Vetter, Edith 2005: Wo Sodens Kurgäste logierten. 2. Aufl. Norderstedt.

Vetter, Edith/ Wagner, Kurt 1987: Der Jüdische Friedhof Bad Soden a.Ts. Bericht und Darstellung der Anlage – Auswertung des Protokoll-Buches der „Todenhofs-Anlage“. Hg. v. Arbeitskreis für Bad Sodener Geschichte mit Unterstützung des Magistrats der Stadt Bad Soden a.Ts.

Institutionen und Links (Aufruf aller Websites im Artikel am 19.05.2014)

Alemannia Judaica (Pfungstadt): Alemannia Judaica – Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum: Pfungstadt mit Eschollbrücken (Kreis Darmstadt-Dieburg) – Jüdische Geschichte / Synagoge: http://www.alemannia-judaica.de/pfungstadt_synagoge.htm

Alemannia Judaica (Bad Soden: Jüdische Geschichte): Alemannia Judaica […] Bad Soden (Main-Taunus-Kreis) – Jüdische Geschichte / Synagoge, http://www.alemannia-judaica.de/bad_soden_synagoge.htm

Alemannia Judaica (Bad Soden: Kuranstalt): Alemannia Judaica […] Bad Soden (Main-Taunus-Kreis) – Texte/Berichte zur Geschichte der jüdischen „Kuranstalt für arme Israeliten“, http://www.alemannia-judaica.de/bad_soden_kuranstalt.htm

Arbeitskreis Ehemalige Synagoge Pfungstadt e.V.: http://www.synagoge-pfungstadt.de

Compact Memory – Internetarchiv jüdischer Periodika: http://www.compactmemory.de

Fritz Bauer Institut: Vor dem Holocaust Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen. Red.: Monica Kingreen, http://www.vor-dem-holocaust.de (Bad Soden, Pfungstadt)

Gedenkbuch BA Koblenz: Bundesarchiv Koblenz, Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html.de

Genealogien Isserlin:
Isserlis, Martin George 2012: Isserlis Family Genealogy (updated 23.08.2012), http://familytreemaker.genealogy.com/users/i/s/s/Martin-G-Isserlis/WEBSITE-0001/UHP-0281.html

Genealogien Mainz:
Cibella, Roger 2002: Jewish Families of Frankfurt am Main: http://goldschmidt.tripod.com/mainz.htm
Guggenheim, Alain o.J.: http://gw.geneanet.org/alanguggenheim?lang=de;p=michael+moses;n=mainz

Gesellschaft CJZ Main-Taunus Kreis: Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit im Main-Taunus Kreis e.V.: „Spuren jüdischen Lebens: Bad Soden: http://main-taunus.deutscher-koordinierungsrat.de/gcjz-main-taunus-spuren-bad-soden [mit Abbildungen zur Villa Aspira und der Israelitischen Kuranstalt]

Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg: http://www.igdj-hh.de/